From the magazine ZBJV 10/2012 | S. 758-772 The following page is 758

Sorge um die gemeinsame elterliche Sorge

Ungereimtheiten im Gesetzesentwurf für eine Neuregelung

1. Richtige Stossrichtung

Im geltenden Recht kommt einem unverheirateten Vater (Scheidungsvater, Konkubinatspartner und Vater, der mit der Mutter nicht zusammenlebt) die gemeinsame elterliche Sorge zusammen mit der Mutter nur zu, wenn beide Elternteile damit einverstanden sind. Mit der vom Bundesrat vorgeschlagenen neuen Regelung1 soll die gemeinsame elterliche Sorge unabhängig vom Zivilstand der Eltern zur Regel werden. Nur wenn dies zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist, soll die elterliche Sorge einem Elternteil allein zugewiesen werden. Diese Stossrichtung der Vorlage ist zu unterstützen, auch wenn wir nicht erwarten dürfen, dass damit «paradiesische» Zustände geschaffen werden. So hat eine deutsche Rechtstatsachenuntersuchung2 gezeigt, dass bei Vätern mit gemeinsamer Sorge die Zahlungsmoral zwar steigt, aber immer noch rund 23% dieser Väter die Unterhaltspflicht gegenüber ihren Kindern nicht erfüllen. Zudem hat eine Nationalfondsstudie3 in der Schweiz ergeben, dass…

[…]